
Inspiration KW 05
Januar 29, 2024
Inspiration KW 06
Februar 5, 2024Ein Arbeitstag bei der Hanse-Betreuung
Seit 2006 ist die Hanse-Betreuung im Rahmen der Eingliederungshilfe tätig und entwickelt sich seither stetig weiter.
Jeder Mensch ist individuell und hat eine ebenso individuelle Betreuung verdient. Die Hanse-Betreuung legt viel Wert auf Persönlichkeit um möglichst fassettenreiche Teams zusammenstellen und aus einem großen Pool an Ideen und Lösungsansätzen schöpfen zu können. Für einen kleinen Einblick, haben wir Kolleg:innen von verschiedenen Standorten zu ihrer Arbeit befragt.
Wieso hast du dich für diesen Job entschieden?
Vivian H.: Nachdem ich viele Jahre quasi selbständig und mit sehr familiärem Team auf anderem Gebiet gearbeitet habe, war mir klar, dass ich diese Kombination von Freiheiten und einem kleinen wertschätzenden Team schätze und brauche, um gut und gern zu arbeiten.
Nadja K.: Ich habe mich für diesen Job entschieden, weil ich gerne mit Erwachsenen arbeiten wollte und flexibel meine Arbeitszeit gestalten möchte. Erwachsene haben den großen Vorteil, dass sie selbstständig über ihre Möglichkeiten entscheiden können. Sie müssen dann natürlich mit den Konsequenzen in alle Richtungen leben, aber es ist was Anderes als mit Jugendlichen zu arbeiten, wo in letzter Instanz doch die Erwachsenen verantwortlich sind.
Andrej L.: Ich habe mich für diesen Job entschieden, weil er abwechslungsreich ist. Er erfordert Bewegung, aber auch ruhiges Arbeiten im Büro. Er lässt mich an der Lebensrealität spannender Menschen teilhaben, gibt mir die Möglichkeit, Menschen über sich hinauswachsen zu sehen. Ich begleite Menschen durch viele verschiedene Gefühle und Lebenslagen, und es bereitet mir ein gutes Gefühl, wenn Menschen durch mich selbstständiger und zufriedener werden.
Wie startest du in den Arbeitstag?
Vivian H.: Bei einer Tasse schwarzem Tee wage ich oft schon sehr früh einen ersten Blick in den Kalender und ins Diensthandy, um ein Gefühl für den erwachenden Tag zu bekommen.
Nadja K.: Ich mache morgens als erstes mein Handy an und schaue in meinen Kalender, um mich darauf einzustellen was mich so erwartet am heutigen Tag. Das mache ich meist noch von zu Hause und dann geht’s im Normalfall zum ersten Termin.
Andrej L.: Handy an, Mails checken, Kaffee trinken.
Wie organisierst du deine Termine?
Vivian H.: Bei der Organisation meiner Termine bin ich, nach Jahren ohne, doch wieder zum Kalender aus Papier zurückgekehrt. Er ist das Herzstück meiner Arbeit, mit Notizen, Zetteln und Markierungen. Dort trage ich bei jedem Termin auch schon einen neuen Termin für die nächste Woche ein. Was es nicht in den Kalender schafft, findet bei mir nicht statt.
Nadja K.: Ich habe mit einigen meiner Klient:innen feste Termine oder zumindest feste Tage. Ich versuche im Normalfall morgens ein bisschen Zeit zu Hause zu haben um den Haushalt zu machen, daher starte ich meist so um 10:00 und mache im Normalfall so um 17:00 Feierabend. Aber das ist nur der Durchschnitt. Die Realität sieht dann doch häufig anders aus.
Andrej L.: Ich erfrage montags bei einigen Klienten den Bedarf für die Woche. Mit anderen habe ich wiederum die Vereinbarung, dass sie sich bei Bedarf selbst melden. Zum Teil stehen Termine wie Arztbegleitungen auch schon seit einigen Wochen fest, andere Termine, wie zum Beispiel für die Bearbeitung eines gerade eingegangen wichtigen Briefs, fallen auch mal spontan im Tagesverlauf an. Schließlich wird die Woche nie so, wie es Freitag noch geplant schien.
Du hast ein Team, machst aber alle relevanten Termine alleine – wie geht es dir damit?
Vivian H.: Die regelmäßigen Teamsitzungen, der kollegiale Austausch mit allen oder auch nur mit einzelnen KollegInnen bei Begegnungen im Büro, aber auch Gruppenchats, welche mich sämtliche KollegInnen aller Standort befragen lassen, sind für mich ein ausreichender Ausgleich zur, vor allem, selbständigen Arbeit mit meinen KlientInnen.
Nadja K.: Mir geht es damit sehr sehr gut, weil ich meine konkrete Arbeit nicht mit anderen abstimmen muss. Das macht das ganze sehr flexibel und individuell. Außerdem ist für die Klient:innen daher jede:r Betreuer:in eine ganz neue Chance, wenn es mit jemand anderem vielleicht nicht geklappt hat. Gleichzeitig ist das Team mir sehr nahe, ich tausche mich viel aus und bekomme Unterstützung und Entlastung, wenn ich sie brauche. Ich reflektiere gerne in den Fallgesprächen. Wichtig ist mir, dass man nicht sein eigenes Süppchen kocht, sondern dass ich zu jeder Zeit anderen erklären könnte was ich warum mache oder eben nicht. Das ist für mich die Kontrolle, die es eben nicht so viel gibt, da wir alleine arbeiten.
Andrej L.: Super! Im Team tausche ich mich aus, hole mir Rat und teile nützliche Infos für die Betreuungsarbeit mit. Da ich schon immer lieber alleine gearbeitet habe, fehlt mir die Arbeit im Team nicht.
Welche Aufgaben kommen im Arbeitsalltag auf dich zu und mit welchen hast du beim Berufseintritt gar nicht gerechnet?
Vivian H.: Für mich fühlt die Arbeit sich manchmal an wie Jonglieren und die Bälle heißen etwa direkter KlientInnenkontakt, Zusammenarbeit mit Ämtern und Behörden, Falldokumentation, Teamevents oder Berichtwesen. Für mich fühlt es sich rund an, wenn alle Bälle regelmäßig in der Luft sind und zwischendurch Zeit für einen Tee bleibt.
Nadja K.: Die größte Aufgabe ist wohl Gespräche führen und in diesen vor allem Menschen motivieren, bzw. sie unterstützen herauszufinden, welche Ziele sie haben. Die zweite größere Aufgabe ist Formulare, Anträge etc. ausfüllen und Sicherheit geben, besonders wenn es um Existenzsicherung geht. Die letzte größere Aufgabe ist wohl Computerarbeit. Dokumente schreiben, Berichte schreiben, dokumentieren was in den Terminen passiert ist und Listen führen.
So richtig etwas womit ich gar nicht gerechnet habe an Aufgaben gibt es nicht. Aber im Klient:innen-Alltag gibt es natürlich immer wieder Dinge, von denen ich sagen kann, das hab ich nicht erwartet oder dass ich das mal erlebe. Das sind dann aber Ereignisse in deren Leben.
Andrej L.: Im Alltag, wenn man in dem Job überhaupt davon sprechen kann, begleite ich Menschen hauptsächlich zu wichtigen Terminen und helfe ihnen in jedem Moment bei ihrer Verselbstständigung. Ich helfe ihnen dabei, wichtige Post zu bearbeiten und komplexe Aufgaben zu erledigen. Ich arbeite mit ihnen am Abbau ihrer Ängste und gebe ihnen nützlichen Input zum Umgang mit ihrer Störung, Erkrankung und der daraus entstehenden Lebenslagen. Beim Berufseintritt habe ich mit allem gerechnet, und so kam es dann auch. So verschieden wie die Menschen auch sind, so unterschiedlich können die Arbeitstage auch sein. Das macht den Job auch aus.
Wie und wofür nutzt du deine Homeoffice-Option?
Vivian H.: Diese Option nutze ich meist, wenn Termine abgesagt werden, indem ich morgens länger zu Hause bleibe oder nachmittags früher dahin zurückkehre, um Recherchen, Dokumentationen oder Telefonate von dort zu erledigen. Grundsätzlich arbeite ich aber lieber eine Stunde länger im Büro, um dann zu Hause tatsächlich direkt in den Feierabend starten zu können.
Nadja K.: Ich bin sehr ambivalent was die Möglichkeit von Homeoffice angeht. Früher bin ich immer ins Büro gefahren, weil ich dort ein Arbeits-Mind-Set hatte und mich nicht von meiner persönlichen Umgebung ablenken lassen wollte. Heute mache ich doch immer mal Arbeit zu Hause, weil ich mich dort besser konzentrieren kann, wenn nicht ständig jemand reinkommt und was fragt, die Tür oder das Telefon klingelt oder im Treffpunkt so viel los ist. Wenn ich echt was abarbeiten möchte, ist Homeoffice momentan doch die bessere Wahl für mich.
Andrej L.: Dokumentieren und freitags länger zuhause bleiben.
Was erfüllt deine Arbeit mit Sinn?
Vivian H.: Mich erfüllt das Wissen, unmittelbar mit Menschen zu arbeiten und sie bei ihren täglichen Kämpfen im Leben unterstützen zu dürfen.
Nadja K.: Das frage ich mich auch manchmal… ;) Wichtig ist für mich die Erfolge der Klient:innen zu sehen. Dann merke ich, dass meine Arbeit sinnvoll ist. Manchmal zieht sich das jedoch ganz schön. Außerdem kann ich mich durch meine Arbeit wahnsinnig weiterentwickeln und viele Stärken stärken und Schwächen erkennen, das freut mich sehr häufig.
Andrej L.: Die Entwicklung von Menschen zu begleiten und ein wichtiger Teil davon zu sein. Oder auch: Mein positiver Impact, egal wie herausfordernd die Betreuungsarbeit ist.
Deine schönsten Momente im Arbeitsalltag?
Vivian H.: Ich bin froh, wenn gerade in manchmal sehr vielschichtigen Krisen, meine KlientInnen Hoffnung, Mut und Kraft finden, sich Schritt für Schritt mit meiner Unterstützung auf den Weg zu machen, und wir uns gemeinsam über erreichte Meilensteine freuen können.
Nadja K.: Mit Klient:innen gute Bindungsmomente haben. Und in der Sonne sitzen mit irgendwem und die Situation einfach mal genießen, wie sie grade ist. Achtsamkeit fühlen.
Andrej L.: Dankbarkeit meiner Klienten.
Was kann dich auch nach Jahren noch überraschen?
Nadja K.: Wenn Menschen plötzlich etwas schaffen, was immer für nahezu unmöglich gehalten wurde.
Andrej L.: Dass sich trotz jahrelangem Stillstand plötzlich etwas bewegen lässt.
Wie beendest du deinen Arbeitstag?
Vivian H.: Am liebsten beende ich meinen Arbeitstag, indem ich mit einem guten Song im Ohr in die Bahn steige. Dann schaue ich, an nichts denkend, aus dem Fenster und lasse den Blick in die Ferne schweifen, was zugegebener Weise an dunklen Winterabendenden etwas schwieriger ist, und komme, wenn es gut läuft, zu Hause mit einem Lächeln an.
Nadja K.: Meistens in dem ich mein Handy ausmache und in meinem Kopf rattert, was ich noch alles hätte machen wollen oder können. Welche To dos immer noch offen sind.
Andrej L.: Computer aus.
Wie würdest du Eingliederungshilfe in drei Worten beschreiben?
Vivian H.: Hilfe zur Selbsthilfe.
Nadja K.: Flexibel, Individuell, Authentisch
Andrej L.: Versuch es erst alleine.




